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Die Flüchtlinge, Lampedusa und wir

Lampedusa ist eine italienische Insel zwischen Sizilien (205 Km entfernt) und Tunesien (130 Km entfernt). Sie ist sehr klein (nur ein Fünftel der Fläche von Sylt!), ihre Einwohner  leben heute vor allem vom Tourismus.

In den letzten Jahren ist Lampedusa – zusammen mit den beiden spanischen Enklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, der griechischen Insel Lesvos und dem Evros-Fluss an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei – zu einem der „Tore Europas“ geworden, zum Ziel von Menschen aus Afrika und Asien, die vor Krieg und Armut fliehen. Mehr als anderswo zeigt sich hier die Wirkung der europäischen Flüchtlingspolitik. Auf dem Weg nach Lampedusa starben zwischen Januar 2012 und Oktober 2013 fast 1.000 Menschen.

Zur größten Tragödie kam es am 3. Oktober 2013. Unmittelbar vor der Insel kenterte am frühen Morgen ein Fischerboot mit über 500 Menschen an Bord. 366 von ihnen starben, Flüchtlinge vor allem aus Eritrea, aber auch aus Äthiopien, Somalien und Syrien. Was ist genau geschehen? Und warum? Hätte man die Katastrophe verhindern können? Was erlebten die Flüchtlinge, wie versuchten Fischer, Touristen und Behörden zu helfen? Wer ist für die Toten verantwortlich?

Die genaue Beantwortung dieser Fragen ist keine leichte Aufgabe: Die Zeugenaussagen sind zum Teil widersprüchlich, die Zeugen standen unter einem ungeheuerlichen Stress. Trotzdem versuchen wir mit unserer szenischen Lesung, diese Geschichte zu erzählen, in dem wir sie mit den Stimmen der Zeugen (Flüchtlinge, Einwohner von Lampedusa, Touristen, Beamte der Küstenwache und der Finanzpolizei) rekonstruieren. Ohne Anspruch auf die „eine“ Wahrheit, aber doch mit dem Ziel, möglichst alle erreichbaren Informationen verfügbar zu machen.

Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, sagte:

„Wir (die Lampedusaner) sehen die Flüchtlinge, wie sie ankommen, wie sie aus den Booten steigen.
Wir erkennen und wissen: Es sind Menschen wie wir.
Diese Perspektive fehlt dem Rest des Landes, weil die Flüchtlinge allzu oft als Unpersonen dargestellt wurden, als ob sie nur Zahlen seien. Diese Entpersonalisierung prägt die Medien und das Aufnahmesystem bis heute. Nach einer Logik, die besagt, man soll sie ergreifen, zusammenpferchen, wegsperren. Weil sie als Unpersonen angesehen werden.“

Genau darum geht es uns: die Flüchtlinge und Einwohner von Lampedusa der Anonymität zu entreißen, sie als Menschen wahrzunehmen.

Mehr Infos:

Zur szenischen Lesung „Lampedusa, 3. Oktober 2013“
Zu Europas Flüchtlingspolitik

 

Die Ziele unserer Arbeitsgruppe

Als sich unsere Arbeitsgruppe zum ersten Mal traf, war allen klar, dass wir mit der szenischen Lesung über das Drama des 3. Oktober vor Lampedusa zwei Ziele verfolgen müssen:

  • Erstens wollen wir verhindern, dass diese Tragödie – und die vielen Flüchtlinge, die jedes Jahr im Mittelmeer sterben – in Vergessenheit geraten. Gleichzeitig wollten wir die Aufmerksamkeit auf die Fragen lenken, die sie für die europäische Flüchtlingspolitik aufwirft.
  • Zweitens wollen wir Flüchtlingsorganisationen, die sich in Hannover und in Niedersachsen für die Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen einsetzen, konkret unterstützen.

Deswegen nahmen wir diese Ziele in die Projekt-Charta auf, die unsere Arbeit leitet.

Wie wollen wir sie verwirklichen?

Wir arbeiten ehrenamtlich daran, die szenische Lesung „Lampedusa, 3. Oktober 2013“ zu realisieren. Wir bereiten uns darauf vor, sie dort, wo Interesse besteht, im Umkreis von ca. 100 Km um Hannover aufzuführen. Wir verlangen keine Gage, der Eintritt ist frei. Wir erbitten jedoch Spenden, die wir ohne Abzug an anerkannte Flüchtlingsorganisationen weitergeben wollen.

Gruppen, die die gleichen Ziele verfolgen, aber sich an Orten außerhalb des genannten Umkreises befinden, unterstützen wir gern dabei, die Lesung selbst zu organisieren.

Mehr Infos:

Projekt-Charta der Arbeitsgruppe „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“
Zwei Möglichkeiten, die Lesung zu präsentieren

 

Über unsere Ziele
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