Eine neue szenische Lesung

Zum Trailer von „Seestern in Südtirol“

Ab Mai 2019 stellen wir Schulen, Kirchengemeinden und Vereinen eine neue Lesung zur Verfügung. „Seestern in Südtirol“ erzählt die Geschichte von Alidad Shiri, der als 14-jähriger am 22. August 2005 nach einer zweijährigen Flucht über Pakistan, Iran, Türkei und Griechenland in Italien ankam.

Die erste Seite des Textes von Alidad Shiri (2006)
Wir nehmen zwar Bezug auf seine Flucht, aber unsere Erzählung beginnt mit dem Tag seiner Ankunft in Südtirol, als er auf der Brenner-Autobahn in der Nähe von Brixen/Bressanone gefunden wurde. Im SOS-Kinderdorf in Meran verbrachte er seine erste Nacht in Italien.

Drei Erzähler*innen rekonstruieren im Dialog untereinander die Ereignisse, die danach stattfanden. Sie geben die Meinungen von Zeugen wieder, die den Jungen kennenlernten und begleiten das Publikum bis zum heutigen Tag. Wer ist Alidad? Warum kam er nach Europa? Ist er „ein Geschenk“ für die Südtiroler Gesellschaft oder doch ein Betrüger, der vom Wohlstand profitieren will?

Der erste Sprecher stellt schon bald klar, dass er nur Fakten erzählen wird, während die zwei anderen heftig diskutieren über Alidads Identität, sein Alter und seine fehlenden Dokumente.
Sie bewerten die unglaublichen Geschichten von dem Jungen ganz unterschiedlich und ebenso seine Fluchtgründe. Sie tun es mit deutlich gegensätzlichen Standpunkten. Sie spiegeln Meinungen wieder, die in unserer Gesellschaft weit verbreitet sind. Integration und Ablehnung, „Gutmenschentum“ und Vorurteile wechseln sich ab und helfen dem Publikum, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Dabei erleben die Zuschauer manche Überraschung: Die „Guten“ und die „Bösen“ sind nicht immer so vorhersehbar.

Und Alidad? Was sagt er dazu?

Alidad als Kind (Mitte der 90′ Jahren)
Er kommt selbstverständlich auch zu Wort! Der inzwischen junge Mann kommentiert das Geschehen mittels zehn kleiner Videos, die eingespielt werden. Dabei gibt er seine Empfindungen wider und ergänzt die Erzählung mit seinen Erinnerungen.

Wie „Ein Morgen vor Lampedusa“ kann auch diese szenische Lesung von Dritten präsentiert werden. Möglich ist auch, dass wir mit den Sprecher*innen und Technikern vom „Spielkreis-Theater der Matthias-Kirche Hannover“ zu Ihnen kommen und die Lesung vortragen. Schauen Sie bitte dazu auch unsere FAQ-Seite.

Videos, Musik und Fotos sind in einer PowerPoint-Datei zusammengefasst. Diese Materialien und das Skript werden den Veranstaltern der Lesung nach dem bewährten Muster des Vorgängerprojekts „Ein Morgen vor Lampedusa“ zur Verfügung gestellt.

Das gedruckte Skript erlaubt die Aufteilung der Rollen, so dass statt drei Sprecheri*nnen eine wesentlich höhere Anzahl von Lesenden beteiligt werden kann. Der Text eignet sich auch als Theaterstück mit mehreren Schauspielern und Schauspielerinnen.

Die Premiere fand am 3. Mai 2019 im „Theater in der List“ statt. Der Text wurde vom „Spielkreis Theater der Matthias-Kirche“ Hannover vorgetragen. Zwei weitere Vorstellungen folgten am 17. und am 18. Mai. Dabei wurden vom Publikum insgesamt 942,- € zugunsten des Projektes „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge/Junge Volljährige“ des Flüchtlingsrats Niedersachsen“ gespendet (429,- am 3.5.2019, 388,- am 17. Mai und 125,- am 18. Mai).