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„Eine stolze Krähe schmückte sich mit den ausgefallenen Federn der farbigen Pfaue und mischte sich kühn, als sie genug geschmückt zu sein glaubte, unter diese glänzenden Vögel der Juno. Sie ward erkannt, und schnell fielen die Pfaue mit scharfen Schnäbeln auf sie, ihr den betrügerischen Putz auszureißen.

„Lasset nach!“ schrie sie endlich, „ihr habt nun alle das Eurige wieder.“ Doch die Pfaue, welche einige von den eigenen glänzenden Schwingfedern der Krähe bemerkt hatten, versetzten: „Schweig, armselige Närrin, auch diese können nicht dein sein!“ – und hackten weiter.“

Gotthold Ephraim Lessing nach einer Fabel vom römischen Dichter Phaedrus

Seit vielen Monaten arbeiten wir gegen das Vergessen. „Wir“ bedeutet, dass wir eine ehrenamtliche Gruppe sind, die sich bemüht, die Stimmen der Zeugen der Tragödie vom 3.10.2013 laut und deutlich hören zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir die szenische Lesung vorbereitet. Die Basis waren die Aussagen der Protagonisten, Flüchtlinge und Retter. Sie stehen im Mittelpunkt des Projektes.

Hinzu kamen nur

  • das Schreiben und Revidieren des Skriptes,
  • das Entwerfen des Gesamtprojektes,
  • die Komposition der Originalmusik und die Studioaufnahmen der musikalischen Stücke,
  • die Suche der Partner,
  • die Überzeugungsarbeit gegenüber den Sponsoren,
  • das Suchen der Sprecherinnen und Sprecher sowie die Lesungsproben,
  • die Auswahl der Bilder,
  • die professionelle Erstellung und Produktion der CDs,
  • die Zusammenstellung von Texten und Bildern in einer PowerPoint-Präsentation,
  • die Vorbereitung eines speziellen Skriptes für die Techniker,
  • das Abschließen von Verträgen,
  • die Verwaltung der finanziellen Mittel und ihre Abrechnung gegenüber den Sponsoren,
  • die Konzeption und Erstellung von Werbematerialien,
  • die Organisation und Durchführung der Lesungen,
  • die Planung und Realisierung der Website und der Datenbank,
  • die Kommunikation mit Interessierten,
  • sowie das Versenden der Materialien und so weiter.

Viel Arbeit, wie Sie sich sicherlich vorstellen können, die wir jedoch gerne tun. Ohne einen Cent zu verdienen. Außerdem geben wir sämtliche Materialien kostenlos an Partner weiter, die unsere Ziele teilen.

Es ist schön zu sehen, wie viele Lesungen dadurch stattfinden, Menschen erreicht und Flüchtlingsorganisationen unterstützt werden. Wir danken unseren Partnern!

Sehr oft erhalten wir wiederum nette, freundliche E-Mails von ihnen, wo sie sich für die gute Zusammenarbeit bedanken. Fast immer läuft es so.

Fast, aber nicht immer. Manchmal passiert etwas Merkwürdiges: Nachdem wir unsere Arbeit getan und alle Materialien geliefert haben, werden wir einfach „vergessen“.

Wir mussten erleben, dass die Lesung stattfand, ohne dass die Organisatoren sich bemüht hatten klar darzustellen, dass die Lesung von unserer Gruppe produziert wurde oder wer die Autoren von Text und Musik sind. Dem Publikum und der Öffentlichkeit wurden diese Informationen nicht weitergegeben. Und wir mussten die Anerkennung unserer Rechte einfordern.

Mit anderen Worten: Man schmückte sich mit fremden Federn. Das fanden wir weder nett noch fair. Nicht nur weil so ein Verhalten deutlich gegen die Abmachungen ist (die freiwillig unterschriebene Vereinbarung), sondern auch, weil wir uns die Partnerschaft anders vorstellen. Von gegenseitigem Respekt geprägt!

Wie gesagt: Es waren nur Ausnahmen. FÜNF von über 130 Lesungen. Aber eben fünf zu viel.